In Zeiten wo in den Medien über Analog-Käse, Form-Fleisch und synthetischen Aromen diskutiert und aufgeklärt wird, dürfen sich die Verbraucher auf ein neues Lebensmittel aus dem Labor freuen.
Diesmal aber, so versprechen es die Forscher, handelt sich um eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Fleisch. Das sogenannte In-Vitro-Fleisch soll in einigen Jahren als Labor-Fleisch den Lebensmittelmarkt revolutionieren. Sogar Umweltaktivisten hoffen darauf, weil die momentane Fleischproduktion ca. 25 Prozent der festen Erdoberfl
äche in Anspruch nimmt, außerdem werden ca. 50 Prozent der weltweiten Getreideproduktion an Vieh verfüttert. Die hohe Wasserverschmutzung und Methan-Emissionen durch verdauende Rinder belasten die Erde immer mehr.
Holländischen Wissenschaftlern ist es Anfang des Jahres gelungen, aus Stammzellen, eine größere Menge Muskelgewebe zu züchten. Vier Jahre arbeitete eine Forschergruppe an drei Universitäten an der Entwicklung, Fleisch im Labor herzustellen – In-Vitro-Fleisch genannt. Die Gruppe um den Biochemiker Henk Haagsman zeigt auf, dass es grundsätzlich möglich ist, Fleisch künstlich wachsen zu lassen. Bernard Roelen, Zell-Biologe an der Universität Utrecht, schließt aber die Nutzung der Gentechnologie aus und hat bisher nur adulte Stammzellen wachsen lassen: “Wir wollen ein möglichst natürliches Produkt entwerfen”, sagt er, “der Gebrauch von Gentechnik würde die Konsumenten abschrecken.”
Bisher ist es nur möglich, das Fleisch in dünnen Schichten zu züchten um es anschließend zu falten. Die Forscher arbeiten an einer Methode Muskelgewebe aufzubauen. Allerdings ist es fraglich, ohne Gentechnik das Wachsen des Muskelfleisches zu ermöglichen.
Die Verbraucher sind zu 94% sehr skeptisch, dies zeigt auch eine Studie der Europäischen Kommission von 2005: 54 Prozent würden es, laut Studie komplett ablehnen künstlich gewachsenes Fleisch zu essen.
Doch bis das erste In-Vitro-Steak in unseren Supermärkten zu finden ist, dauert es noch lange, denn im Moment kostet ein Happen gezüchtetes Muskelfleisch noch rund 60.000 Euro.